Kaiservillen auf Usedom
Kaiservillen auf Usedom

Historie der Seebrücke Heringsdorf


Kaiservillen auf Usedom

Kaiserzeit bis zur Wende

Nachdem der 1878 errichtete Steg dem Schiffsverkehr nicht mehr genügte, gab die Aktiengesellschaft "Seebad Heringsdorf" unter der Leitung von Dr. Hugo Delbrück die Planung für eine Seebrücke in Auftrag, die alles bisher da gewesene in den Schatten stellen sollte.

1891 wurde der Grundstein gelegt, 1893 die Einweihung gefeiert. Bei einem seiner Aufenthalte in Heringsdorf gestattete Kaiser Wilhelm II. der Aktiengesellschaft die Seebrücke "Kaiser-Wilhelm-Brücke" zu nennen. 1942 wurde die Brücke durch Eisgang schwer beschädigt, im Winter 1946 brannte durch die Unvorsichtigkeit einer russischen Brückenwache der Brückenkopf ab.

Der imposante Landteil mit seinen hölzernen Verzierungen fiel 1957 einer Brandstiftung zum Opfer. Zu DDR-Zeiten gab es bereits Überlegungen zum Wiederaufbau der Brücke, das Vorhaben konnte wegen der Knappheit an Baumaterialien jedoch nicht umgesetzt werden.


Neuaufbau

Nach der Wende gelang es der Gemeinde, einen Neuaufbau des Mittelpunktes des Badelebens in Heringsdorf ins Werk zu setzen. In Zusammenarbeit mit dem Bankhaus Delbrück konnten 1992 private Geldgeber gewonnen werden, die 30 Millionen DM in den Bau der neuen Seebrücke investierten. So ist die Heringsdorfer Seebrücke die Einzige in Mecklenburg-Vorpommern, die ohne die Inanspruchnahme von staatlichen Fördermitteln errichtet wurde. Am 23. März 1994 wurde, unter großer Anteilnahme der Einwohner, der erste Spatenstich vollzogen. In nur 15 Monaten Bauzeit setzten renommierte Bauunternehmen den Entwurf der Architekten Sievers, Piatschek und Partner um, der die Formensprache der alten Seebrücke aufgreift.

Die Lage und Größe der Seebrücke erforderte besondere Gründungsmaßnahmen. Das Landgebäude hinter den Dünen wurde mit einer Flachgründung auf Streifenfundamenten gebaut. Die Brückenteile im Strand- und Wasserbereich mussten hingegen tief gegründet werden. Dazu wurden unten offene Stahlrohrpfähle von einer Hubinsel aus bis zu 10 Meter tief in den tragfähigen Boden gerammt. Während der Rammarbeiten waren Taucher im Einsatz, um unterirdische Hindernisse zu untersuchen und zu beseitigen. Sie kämpften u.a. gegen Wrackreste und große Findlinge (Steine, welche die Eiszeit nach Norddeutschland brachte).

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Die Seebrücke als bautechnisches Meisterwerk

Die Seebrücke liegt 6,30 Meter über dem Meeresspiegel und ist eines der wenigen Stahlbauwerke dieser Art an der Ostsee (üblich sind Stahlbetonbauten). Auf den 68 gerammten Pfählen liegen stählerne Einfeldträger mit 16 Meter Stützweite. Pfähle und Träger stellten die Erbauer vor große logistische Herausforderungen: Mit Binnenschiffen wurden diese von Brandenburg nach Swinemünde gebracht, dort auf seefähige Pontons verladen und über die Ostsee zur Baustelle verschifft. Der Anlegesteg am Brückenkopf liegt nur 1,80 Metern über dem Wasserspiegel. Sechs Anlegedalben mit Pollern und Gleitleisten ermöglichen das Anlegen der Schiffe. Dank der soliden Konstruktion überstand die Heringsdorfer Seebrücke die schwere Sturmflut im November 1995, im Gegensatz zu vielen Anderen, vollkommen unbeschadet.


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